Wie Tee mein Leben verändert

Dieser Artikel soll davon handeln,wie ich zur chinesischen Teekunst fand, wie sie mein Leben veränderte
und was sie für mich bedeutet.


Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie begeistert ich war, als ich das erste Mal einen richtig
guten chinesischen Tee trank. Es war ein ehemaliger Mitschüler der Kung Fu Schule, in der ich vor
einigen Jahren mein Studium der chinesischen Kampfkünste begann, der meinen Fokus darauf lenkte. Er
war gerade von einer Chinareise aus Beijing wieder zurück und brachte mir von dort einige kleine
Päckchen Tee mit. Er hatte ihn in einem chinesischen Teehaus gekauft und berichtete mir, dass dieser dort
recht teuer war, was mich verwunderte, da ich damals annahm, dass der Tee dort sehr günstig sei. Er
sagte, dass es wohl ein Grüntee sei aber mehr wusste er auch nicht, nur das man ihn wohl sehr oft
aufgießen könne. Ich werde nie vergessen, wie dieser Tee mich umgehauen hat. Noch nie trank ich bis
dahin einen so tollen Tee. Leider war mein Vorrat davon sehr begrenzt und ich hatte keinen Schimmer,
was das für ein Tee war. Der Tee schmeckte so anders als jede Art, die ich bis dahin getrunken hatte
(später stellte sich für mich heraus, dass es ein hervorragender Anxi Tie Guan Yin Oolong war). In den
Wochen darauf durchstöberte ich einige Teeshops auf der Suche nach diesen tollen Tee, doch wusste ich
nicht wo ich anfangen sollte, war mir so etwas wie Oolong damals ja noch kein Begriff. Wie es das
Schicksal so wollte, schenkte mir kurze Zeit später ein guter Freund ein Buch über chinesische
Teezeremonie. Dieses Buch verschaffte mir einen ersten Einblick in diese wunderschöne Kunst. Darin
wurden auch die verschiedenen Arten der Zubereitung mit zugehörigen Teegeschirr vorgestellt, besonders die Yixing Keramik, von der ich beeindruckt war. Mir gefielen die wunderschönen Designs dieser besonderen Art der Teekeramik sehr. Das Schicksal war mir dann wieder zugetan und ich entdeckte ein paar Tage später auf einen Flohmarkt einen chinesischen Koffer mit einen unbenutzten Yixing Tee-Set.
Meine Freude war groß, denn ich machte ein echtes Schnäppchen. Ich bekam die Kanne mitsamt Tassen
und Koffer für 12 Euro. Was aber noch viel besser war, war das ich bei meinen Großvater zu Hause in
einer seiner Vitrinen mehrere Yixing Kannen entdeckte. Er ist nämlich leidenschaftlicher Sammler von
Keramik aus aller Welt. Er schenkte mir diese Kannen, die noch aus den 80er sowie 90er Jahren
stammten und so begann meine Yixing Sammlung zu wachsen. In den folgenden Monaten und Jahren
probierte ich mich dann durch sämtliche chinesische Tees, die ich in den Tee Geschäften in die Hände
bekam. Anfangs waren dies Tees wie Long Jing, Bai Mu Dan oder Pi Lu Chun, doch richtig begeistert
haben mich die Oolongs. Einmal den Oolong für mich entdeckt, wollte ich nichts anderes mehr trinken.
Ich investierte so ziemlich alles Geld, welches ich zur Verfügung hatte in diese wunderbaren Sorten von
chinesischen Tees. In den folgenden Monaten und Jahren wuchs mein Wissen und meine Begeisterung im
Bezug auf Gong Fu Cha stetig an und meine Yixing Sammlung passte kaum noch in meine Wohnung. Ich
kann mich noch gut erinnern, wie ich von Freunden und Familie belächelt wurde, da ich soviel Geld und
Zeit in diese Kunst steckte. Die Teekunst wurde zu einem wichtigen Teil meines Lebens. Nach und nach
konnte ich auch Freunde davon begeistern und traf Ihrerseits auf mehr Verständnis. Wie auch die
Kampfkunst prägte die Teekunst mein Leben und verschafft mir den nötigen Ausgleich zu dem doch all
zu oft stressigen und hektischen Alltag.
Im Jahre 2016 wurde ich dann zufällig (sofern es Zufälle gibt) auf Liu Wenzhuo im Internet aufmerksam.
Nach einigem Hin und Her schreiben, luden Sie und Ihr Mann Liu De Ming mich zu Ihnen in das
Daoistische Institut nach Alfeld, wo Sie auch das Wudang Tea House betreiben ein. Dies war für mich ein
Wendepunkt, sowohl für meinen Teeweg als auch für meine Kampfkunst und meine religiöse Praktik. Ich
war begeistert, da ich das erste Mal so richtigen Austausch mit einer chinesischen Teemeisterin sowie
einen daoistischen Linienhalter der Longmen Pai Linie hatte. Ich habe schon beim ersten Treffen viel von
Ihnen lernen können. Dort habe ich viele mir unbekannte Tees probiert und war begeistert von der
hervorragenden Qualität Ihrer Tees aus Wudang Shan und anderen Regionen Chinas. Seit diesem ersten
Treffen stehe ich in regem Kontakt mit den Beiden. Ich wurde am 8.7.2017 offiziell als Schüler der
Quanzhen Pai in 25. Generation unter Liu De Ming angenommen und habe in Ihm meinen Shifu
gefunden. Nun wird bei jedem Besuch im Tempel ordentlich Taiji trainiert und bester Tee getrunken.
Wäre das Interesse für den chinesischen Tee nicht entstanden, so hätte ich wohl nie auf meinen
daoistischen Lebensweg gefunden und wäre auch nie meinem Lehrer begegnet. Die Teekunst hat mein
Leben sehr bereichert und mir viele tolle Begegnungen mit tollen Menschen ermöglicht. Es vergeht kein
Tag, an dem ich auf meinen Tee verzichte.
Xin Hui

2 thoughts on “Wie Tee mein Leben verändert

  • Wow. Ich wollte selbst einen Teegarten anlegen. Habe noch keinen Einstieg gefunden. Ihr Artikel hat mich neugierig gemacht. Was ist das für ein Tee…Oolong?

    • Hallo Michael, danke fuer die Nachricht. unser teegarten im Wudang Daoist Institute in Alfeld wird im Fruehjahr fertig. das ist ein showgarten und besucher koennen dann auch selbst mal mitmachen. wir bauen unseren eigenen tee von unseren feld in china an, auch pflanzen wir pu’er und wilden nan wudang tee.

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